Herzlich willkommen bei der Evangelischen Kirchengemeinde Markgröningen!

Wir freuen uns, dass Sie unsere Homepage besuchen.
Auf dieser Seite möchten wir uns Ihnen vorstellen und Ihnen einen Einblick in das Leben unserer Gemeinde geben.

Rechts oben auf dem Bild können Sie auch die Suchfunktion nutzen.
Wenn Sie mit uns in Kontakt treten möchten, wenden Sie sich bitte per E-mail, Telefon oder persönlich an uns.

Die verschiedenen Ansprechpartner finden Sie unter der Rubrik Kontakt.

Hinweise zur Corona-Pandemie

Weiterhin müssen alle Gottesdienste und Veranstaltungen abgesagt werden. Dies gilt voraussichtlich bis 15. Juni 2020.

Das Treffen des Besuchsdienstes und das Senioren-Geburtstagscafé im April entfallen. Ebenso das Café in der Habila Markgröningen.

Die Konfirmationssonntage werden verlegt auf 11. und 18. Oktober.

Das Pfarramts-Sekretariat und die Kirchenpflege bleiben weiterhin geschlossen (telefonische Erreichbarkeit ist aktuell möglich)

Auch das Gemeindehaus bleibt geschlossen.

Ziel dieser schmerzlichen Maßnahmen ist, die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen, damit für alle Betroffenen mit einem schweren Verlauf eine angemessene medizinische Versorgung gewährleistet werden kann. Nur so können kranke und ältere Menschen geschützt werden. So bleiben wir solidarisch!

In dringenden Angelegenheiten können Sie Pfr. Dr. Frank Dettinger und Pfr. Michael Güthle telefonisch erreichen.

Öffnung Bartholomäuskirche wird verlegt!

Nach Rücksprache mit vielen Beteiligten lassen wir die Bartholomäuskirche zunächst einmal bis Ostersamstag, 11.4.2020, geschlossen.

Wir nehmen uns vor, ab Ostersonntag, 12.4., um 14 Uhr, die Kirche wieder zu öffnen. Es kann aber auch erst später möglich sein.

Wir bitten um ihr Verständnis und wünschen Ihnen alles Gute!

 

Einen herzlichen Dank an alle fleißigen Näherinnen von Schutzmasken!

Auf den Aufruf, für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Habila Atemschutzmasken zu nähen, gab es eine große Resonanz. Viele fleißige Hände haben die „Produktion“ gestartet. So konnten der Habila heute über 180 Masken überreicht werden. Ganz herzlichen Dank für Ihr Engagement! Die Hilfsbereitschaft war überwältigend! Danke, dass Sie es so spontan möglich gemacht haben, in unserer Einrichtung für mehr Sicherheit vor dem Corona-Virus zu sorgen. Mein herzlicher Dank gilt auch all denen, die Stoffe gespendet haben.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien frohe und gesegnete Ostertage! Bleiben Sie gesund!

Ihre Pfarrerin in der Habila Claudia Hertler

Das Schnittmuster mit Anleitung ist auf folgendem Link zu finden: https://naehtalente.de/atemschutz-naehen/#content

Ehrenamtliche Aktion Nachbarschaftshilfe in Zusammenarbeit mit der Stadt Markgröningen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tipps und Hinweise zu dem, was noch möglich ist:

Predigten finden Sie aktuell und auch in der kommenden Zeit auf dieser Homepage.

Wenn Sie eine Predigt ausgedruckt erhalten möchten, melden Sie sich auf dem Pfarramt oder bei den Pfarrern. Zu Karfreitag und Ostersontag planen wir Videogottesdienste aus der Bartholomäuskirche, die über die Homepage abrufbar sein werden.

 

Gottesdienstangebote und weitere digitale Angebote unserer Landeskirche im Internet: www.elk-wue.de

Gottesdienste in Form einer Videokonferenz: www.creative-kirche.de/wohnzimmergottesdienst

Weiter können Sie Fernsehgottesdienste (z.B. im ZDF sonntags um 9:30 Uhr oder bei BibelTV, RegioTV) mitfeiern.

 

Ideen für Kinder und Jugendliche des Ev. Jugendwerks:  www.zuhauseumzehn.de

Auf der Seite www.kinderkirche-wuerttemberg.de finden Sie digitale Angebote für Kinder sowie die Möglichkeit, einen Kindergottesdienst über das Internet mitzufeiern.

Digitale Kinderbibelwoche in den Osterferien (15.-17.4.2020; jeweils 9.30 Uhr).

Auf www.kircheunterwegs.de werden Einheiten aus Musik, Liedern, Bewegung, Bibeltheater, Basteln und Spielen dann als Video kostenlos abrufbar sein.

 

 

 

 

 

 

 

Ökumenischer Aufruf zum Gebet um 19:30 Uhr

Unsere Kirchengemeinden folgen dem Aufruf der württembergischen Landeskirche und der Diözese Rottenburg-Stuttgart und laden dazu ein, sich täglich um 19:30 Uhr mit anderen Christen im Gebet zu verbinden. Zu diesem Gebet wird durch Glockengeläut unserer Kirchen eingeladen – wir setzen ein Signal der Ökumene.

Bischof Dr. Gebhard Fürst schreibt dazu: „Wir haben eine einmalige Situation mit einschneidenden Maßnahmen. Ich rufe Sie deshalb dazu auf, alleine oder im Kreis Ihrer Familie zu beten und so im Gebet miteinander verbunden zu sein. Um diese Verbundenheit zu stärken, läuten fortan täglich um 19.30 Uhr an vielen Orten in ganz Deutschland die Kirchenglocken. Um diese Uhrzeit sind die Menschen eingeladen, sich eine kurze Auszeit im Gebet zu nehmen und damit ein gemeinsames Zeichen der Hoffnung zu setzen“.

Eine Kerze ins Fenster zu stellen, könne ebenfalls ein Zeichen des christlichen Miteinanders und der Solidarität mit den am Corona-Virus Erkrankten sein, sagte Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July. „Wir denken an die kranken Menschen und alle, die im medizinisch-pflegerischen Bereich, im öffentlichen Dienst, in den Familien und Nachbarschaften für Unterstützung und Hilfe sorgen.“

Wann immer die Glocken läuten – sie laden uns ein zum Gebet! Beten Sie, wenn Sie die Glocken hören und wir sind direkt miteinander verbunden.

Besonders am Freitag um 11 Uhr laden wir Sie zum Gebet ein. Tipp: www.coronagebet.de

Sonntags läuten die Glocken wie gewohnt zum Gottesdienst und ebenfalls um 10.45 Uhr zum Vaterunser-Gebet. Herzliche Einladung: Beten Sie das Vaterunser dann zu Hause!

Sing & Pray – singen, beten, hören, meinen Tag vor Gott bringen

Zurzeit können wir uns leider nicht im evang. Gemeindehaus treffen.

Wir laden herzlich ein, dienstagabends um 19.30 Uhr – oder zu einem anderen passenden Zeitpunkt – jede/r für sich zu Hause und darin mit den anderen verbunden zu singen und zu beten. Gerne verschicken wir dafür eine kleine Liturgie.

Anfragen an Sabine und Thomas Pflugfelder, Tel: 07145 7757 oder st.pflugfelder@web.de

 

Balkonsingen

Um 19 Uhr lädt die Ev. Kirche in Deutschland Menschen ein, gemeinsam „Der Mond ist aufgegangen“ zu singen oder zu musizieren – jeder und jede auf seinem Balkon oder im Garten. Denn Singen verbindet und tut gut.

 

Passen Sie gut auf sich auf und seien Sie behütet!

Ihre Ev. Kirchengemeinde Markgröningen

 

Predigten

Passionsandacht 2020 von Pfr. Dr. Frank Dettinger

 

Es gibt den gewissen gesunden Abstand, wenn Menschen miteinander sprechen.

Man geht mit dem Gesicht nicht ganz nahe zum anderen hin.

Das gilt bereits vor der Corona-Zeit.

Man lässt normalerweise eine Komfortzone zwischen sich.

Man schaut sich im Gespräch auch nicht immer frontal von Gesicht zu Gesicht an.

Man schaut auch mal seitlich oder stellt sich etwas schräg hin.

Diese Normalitäten bei Begegnungen von Menschen fehlen hier bei diesem Bild.

Jesus steht mir, dem Betrachter, frontal gegenüber. Ich habe das Gefühl, dass ich ihm nicht ausweichen kann.

Seine gebundenen, blutenden Arme sind etwas nach vorne gestreckt, ja zu mir hin ausgestreckt. Das kann unangenehm sein, da greift jemand in meine Komfortzone ein. Alles ganz absichtlich natürlich.

Der deutsche Impressionist Lovis Corinth hat dieses Bild in den Ostertagen 1925 gemalt. Es ist das letzte große Werk von Lovis Corinth vor seinem Tod.

Dieses Bild soll nicht gefallen. Es soll anstacheln, soll provozieren. Es soll mich wirklich aus meiner Komfortzone herausholen. Ganz direkt muss ich auf Jesus blicken.

Die Blicke von Pilatus und von dem Soldaten weisen zusätzlich auf die Mitte – Pilatus blickt von sich aus nach links, der Soldat blickt nach rechts. Das Zentrum Jesus ist betont.

Vielleicht hilft es uns, wenn wir uns klarmachen, dass 1925 der 1. Weltkrieg noch keine 10 Jahre vorbei war. Die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts hat Spuren hinterlassen – wohl auch in diesem Bild. Dass Menschen massenhaft, ja geradezu industriell im Krieg getötet wurden, das war das Neue im 1. Weltkrieg. Die modernen Waffen machten einen Krieg mit 8 Millionen Opfern möglich. Ein Massenkrieg, der in der Geschichte zuvor nie denkbar gewesen wäre. Vor dem Schrecklichen, vor dem Unfassbaren darf man nicht die Augen verschließen. Dazu stachelt Lovis Corinth an.

Und mir erscheint das unglaublich passend für unsere heutige Zeit. Mir selbst ging es doch in den letzten Wochen so, dass ich kaum mehr die Nachrichten sehen wollte. Massenhaft Flüchtlinge in Not und Elend an der griechischen Grenze – und jetzt die Bilder aus Krankenhäusern mit Corona-Patienten weltweit. Bilder die Nachrichtensendungen und Zeitungen prägen: Schlimmste Bilder in Dauerschleife. Es ist genug davon.

„Nein, nicht genug. Erspart euch diese Bilder nicht!“, ruft Lovis Corinth – „ihr müsst davorstehen, frontal. Direkt vor euren eigenen Augen müsst ihr dieses Leid haben.“

Provoziert werden möchten wir Menschen nicht gerne. Wer mich provoziert, dem höre ich vielleicht gar nicht mehr zu. Das ist das Risiko des Provozierens.

Da sind auch wir jetzt gefragt. Wie gehen wir um mit so viel Konfrontation? Finden wir einen Zugang zu dieser überforschen, dieser herausfordernden Kunst eines Lovis Corinth?

Ich denke, dass er mich in gewisser Weise anspricht. Ja, er hat recht – wir dürfen die Augen eigentlich nicht verschließen vor dem Leid, das so viele Menschen zu tragen haben.

Wir müssen davon Kenntnis haben. Denn es darf nicht sein, dass Opfer von Krankheit, aber auch Opfer durch menschliche Schreckenstaten in Kriegen vergessen werden. Das ist unser aller Verantwortung, dass wir um der Opfer willen Mitwissende sind.

Und vielleicht und hoffentlich hilft uns und der Welt das Wissen auch, uns vor Verbrechen und Gräueltaten zu schützen.

Dennoch: Es ist menschlich, dass wir das Bedürfnis haben, auch einmal wegschauen zu dürfen. Wenn die Not und das Leid, dem wir uns aussetzen, uns selbst zerstören, ist niemandem gedient. Nein, es muss auch ein Recht geben, dieser Konfrontation einmal ausweichen zu dürfen. Es muss auch ein Recht geben, nicht jeden Tag Leid sehen zu müssen, sondern einmal zu verschnaufen. Es muss ein Recht geben, dem Mit-Leiden einmal eine Pause zu geben. Um unseretwillen können und dürfen wir uns nicht pausenlos mit dem Leiden beschäftigen.

Durch das Bild von Lovis Corinth sind wir jetzt dennoch konfrontiert.

Lovis Corinth will uns mit diesem Bild nicht gefallen, er will ganz bewusst herausfordern. Es geht ihm nicht nur darum, dass wir das Leiden sehen. Er setzt noch eins obendrauf.

Er will, dass wir Menschen unsere Schuld erkennen. Das ist eine große Besonderheit an diesem Bild: Der Betrachter ist das jüdische Volk. Ich, der ich dieses Bild sehe, bin der, dem Pilatus Jesus zeigt.

Ich höre von Pilatus: „Sieh, welch ein Mensch!“ (Joh. 19,5) Und in dieser Rolle bin ich automatisch auch der, der dann ruft: „Kreuzige ihn!“

Wir, die wir dieses Bild sehen, frontal Jesus und Pilatus gegenüberstehen – wir sind das jüdische Volk. Wir sind es, die rufen: „Kreuzige ihn!“

So viel Sprengkraft hat Lovis Corinth in dieses Bild gelegt. Die Provokation geht in einem fort.

Man kann denken: Hier wird kräftig die moralische Keule geschwungen. Und das von einem Maler – nicht von der Kirche.

Dabei hat die kirchliche Geschichte eben genau dies so oft gemacht: Man hat oft genug und überdeutlich von Schuld gesprochen. „Durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld“ – Solche Schuldbekenntnisse können auch krankmachen. Es kann ein zu viel Reden von Schuld geben. Und es kann auch ein Reden von Schuld geben, wo es überhaupt nicht um Schuld geht.

Daran ist zu denken – davor ist auch zu warnen. Es darf nicht darum gehen, sich Schuld einzureden und sich selbst mit Schuld zu martern. Und trotzdem kann die Provokation eines Lovis Corinth wichtig und richtig sein.

Du bist schuld – lass dir diese Demütigung einmal gefallen. Sei einmal ehrlich und schau auf dein Leben. Da ist nicht alles glatt gelaufen, da bist du nicht überall mit sauberer Weste durchgegangen.

Lovis Corinth nimmt sich da selbst nicht aus. Die Figur des Pilatus hat er mit seinem eigenen Gesicht gemalt. Schuld ist ein intimes Thema. Schuld muss ich selbst erkennen und einsehen. Kein anderer Mensch versteht mich wirklich. Kein anderer Mensch läuft in meinen Lebensschuhen durch die Welt.

Deshalb ist das Urteilen über die Schuld anderer oft ein großer Irrweg. Aber es gibt Schuld.

Ein plagendes Gewissen ist ein Lebensthema, ein Menschheitsthema. Ich kann innerlich von Schuldgefühlen zerfressen werden. Ich kann das Gefühl haben, nie mehr glücklich zu werden, weil ich mir vorwerfe, einen unfassbaren Fehler im Leben gemacht zu haben.

Lovis Corinth geht ohne Behutsamkeit an die Wurzel des Übels. In seinem Bild macht er zwei Deutungsangebote, woran Menschen immer wieder schuldig werden.

Zum einen ist da die Gewalt – die unbändige Gewalt. Der Soldat auf dem Bild ist die größte Figur. So beansprucht die Gewalt, die größte Macht in der Welt zu haben.

Zum anderen ist da der Unschuldswahn. Pilatus – ganz ungewöhnlich dargestellt als Arzt in einem weißen Kittel. Er ist die kleinste Figur. Ganz unscheinbar möchte er sein.

Aus dem biblischen Bericht wissen wir, dass er sich die Hände in Unschuld wäscht.

Hier hat er von Lovis Corinth einen weißen Kittel bekommen. Er ist Arzt, ein weißer Held, er meint es ja nur gut. Er hat wissend und selbstbewusst den Zeigefinger ausgestreckt. Aber ist das nicht eine große Täuschung?

Trägt er nicht letztlich doch die Verantwortung, wenn er Jesus zum Tod verurteilt?

Kann er wirklich seine weiße Weste behalten?

Dieses Ecce-Homo-Bild könnte uns einladen, darüber nachzudenken.

Wir Menschen tragen Schuld, weil wir immer wieder der Gewalt mehr zutrauen als friedlichen Lösungen. Und wir Menschen tragen Schuld, weil wir immer wieder scheinheilig uns die Hände in Unschuld waschen, uns als die Helfer in Not sehen, wobei wir unbarmherzige Urteile fällen.

Das ist viel, das ist hart, das ist auch schwer auszuhalten, was uns hier entgegenschlägt.

Bietet dieses Bild denn noch etwas anderes als Provokation und Herausforderung?

Klar ist, dieses Bild möchte nicht gefallen. Wir sollen es nicht schön finden.

Und doch scheinen Zweideutigkeiten im Bild noch eine andere Perspektive zu bieten.

Die Farbe Rot beherrscht das Bild. Jesu Purpurmantel sticht heraus. Und diese rote Purpurfarbe ist zweideutig.

Sie ist zum einen das Rot des vergossenen Blutes, die Farbe der Wunden in Jesu Gesicht und an seinen Armen. Rot ist aber immer auch die Farbe der Liebe, die Farbe des guten Herzens. Rot ist rechts im Bild auch der Hintergrund. So umschließt rot sogar den großen Soldaten.

Ist die Liebe also doch stärker als die Gewalt? Blicken wir zum Ende auch nochmals auf die gefesselten Arme Jesu. Sie sind etwas nach vorne ausgestreckt – sie greifen in meine Komfortzone ein. Aber sind sie vielleicht auch eine Liebesbotschaft? Sagen sie vielleicht: „für dich – ich strecke dir diese Arme hin“?

Ob Corinth diese Zweideutigkeiten so sehen wollte oder nicht – jedenfalls brauchen wir Menschen das Rot der Liebe und diese zu uns ausgestreckten Arme. Wir brauchen Gott in dieser Welt.

Damit wir Menschen unserem Menschsein gerecht werden können, damit wir uns dem Leiden und unserer Schuld und allem Gebrochenen stellen können, brauchen wir Gottes Zusage.

Wir brauchen sein Versprechen, dass er die Welt retten kann und retten wird. Dann können und wollen wir das Unsere dazu beitragen, die Welt menschlicher zu machen.

Amen.

 

Gebet:

Herr Jesus Christus,

als leidender Mensch begegnest du uns Menschen. Als gequälter, erniedrigter Mensch bist du in dieser Woche mit dabei in unserem Alltag.

Dein Leiden trifft auf die ganze Bandbreite unseres Lebens. Unser Leben mag glücklich sein, wir mögen dankbare Zeiten durchleben.

Unser Leben mag aber auch selbst eine Leidenszeit sein, eine Zeit, in der wir uns selbst fragen: Welch ein Mensch bin ich?

In dieser Passionswoche staunen wir darüber, was wir in den Begegnungen mit dir erfahren.

Kein Leiden, keine Qual, keine Erniedrigung kann unsere Würde zerstören. Keine Tränen, kein Klagen, kein Verzweifeln kann unsere Ehre vernichten.

Du hast dich unserem Leben ausgesetzt mit allem, was es ausmacht. Du hast nicht nur die glücklichen Tage des menschlichen Lebens mit uns geteilt. Du bist auch bis in die tiefsten Tiefen gegangen.

Du hast alles ertragen, alles an Leib und Seele durchlitten, was Menschen an Leib und Seele durchleiden können.

So wirbst du um uns. Du stirbst schließlich für uns, damit wir befreit werden, damit wir leben sollen.

Sieh heute auf das Leben der Menschen in deiner Welt. Sieh auf alle Leidenden, besonders auf Leidende durch die Corona-Krise, und sei ihnen nahe.

Sieh auch auf unser Leben. Lass uns wieder aufrecht gehen, wo wir gekrümmt nach unten gedrückt sind.

Lass uns glauben, dass kein Mensch – auch wir nicht – seine menschliche Würde verlieren kann.

Lass uns daran festhalten, dass wir wertvoll sind – als Glaubende sind und bleiben wir deine Kinder.

Gemeinsam beten wir: Vater unser…

 

Predigt zum Palmsonntag, 5. April 2020, von Pfr. Dr. Frank Dettinger

Predigttext Markus 14,3-9:

3 Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt. 4 Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? 5 Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an. 6 Jesus aber sprach: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 7 Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. 8 Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis. 9 Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.

 

Liebe Gemeinde,

was für ein Geschenk. 300 Silbergroschen war dieses Öl wert. 300 Silbergroschen – das waren damals 300 Tageslöhne eines Arbeiters. Also so etwa ein ganzes Jahresgehalt… Was für ein Geschenk, das diese Frau für Jesus hat. Wir erfahren fast nichts über die Frau. Woher kannte sie Jesus eigentlich? – Oder: Wie schaffte sie es überhaupt, diese Männerrunde im Haus des Simon zu überraschen? Das wissen wir nicht. Wir erfahren wenig über sie – aber wir erfahren von einem unglaublich großen Geschenk, das sie Jesus macht.

Ist es angemessen, so ein großes Geschenk zu machen? – Nein, empört sich die Männerrunde um Jesus. Seine Jünger sind sich einig: Was für eine Verschwendung!

Mit einem Jahresgehalt hätte man Hunderte von Armen über viele Wochen hinweg versorgen können. Mit einem Jahresgehalt hätte man vielleicht sogar eine Art Stiftung gründen können…  und nur von den Zinsen den Armen helfen können… Und das Geld wäre nie aufgebraucht gewesen… Was für eine Chance hätte es gegeben!

Jesu Jünger haben gut aufgepasst, was Jesus ihnen gelehrt hatte: „Denkt an die Armen“ – das hatten sie verinnerlicht. Jesus hatte ihnen beigebracht, dass das Miteinander zählt. Stärkere dürfen Schwächere nicht allein lassen – Stärkere sollen Schwächeren aufhelfen, damit sie selbst die Chance haben, etwas stärker zu werden. 300 Silbergroschen – ein Jahresgehalt als Grundstock, um für Arme zu sorgen – das wäre der Traum für die Jünger gewesen.

Und Jesus – er hätte das doch auch so sehen müssen! Er hatte doch immer wieder gemahnt: „Denkt an die Armen“. Aber nein – heute nicht. Heute weist Jesus die Jünger in ihrem Eifer zurück. Heute geht es um etwas anderes, was die Jünger lernen sollen.

Was für ein Geschenk – Nardenöl im Wert eines Jahresgehalts. Dieses Öl wurde aus der indischen Pflanze Narde gepresst. Narde – eine Pflanze, die im hohen Gebirge vorkommt, im Himalaya. Ein weiter Weg war es nach Judäa, nach Betanien. Ein weiter Weg, der das Öl so kostbar und unverschämt teuer machte. In einem Glas-Flacon war es verschlossen. Ohne Deckel. – Es war vom Glasbläser selbst verschlossen, sodass man das Glas zerbrechen musste, um an das Öl zu gelangen. Das tat die Frau, sie zerbrach das Glas und goss das Öl auf Jesu Haupt. Ein betörender Duft – ätherisch wie Eucalyptus, würzig-süß wie Myrrhe und ein Hauch Zimt… Der ganz eigene,   orientalische Narden-Duft erfüllte den Raum… Was für ein Geschenk.

Heute geht es um etwas anderes, heute sollen die Jünger nicht lernen, für die Armen zu sorgen. Heute sollen die Jünger lernen, was es heißt, ein Geschenk anzunehmen. Jesus weist die Frau nicht zurück. Er akzeptiert das Geschenk, das unermesslich teure und edle Geschenk – und gibt so, zur rechten Zeit, den Jüngern ein Vorbild. Auch sie werden ein großes Geschenk annehmen dürfen – oder müssen. Auch sie, die Jünger, werden schon bald von Jesus beschenkt werden. Mit dem Geschenk seines Lebens. So wie die Frau Jesus beschenkt, so beschenkt Jesus selbst seine Jünger – und wenige Tage bevor dies geschieht, gibt Jesus den Jüngern das Beispiel dafür, wie sie selbst sein Geschenk annehmen sollen.

Was für ein Geschenk – schließlich auch für uns. Sind wir gut darin, Geschenke anzunehmen?

Wie gehen wir damit um, wenn wir zum Geburtstag, sagen wir zum 50., überreich beschenkt werden? Etwa mit einer großen, teuren Reise… nach Südafrika… Unsere Kinder haben sich das überlegt… Wir sollen etwas ganz Besonderes bekommen. Zum einen freuen wir uns sicher – zum anderen überlegen wir aber auch, dass wir uns doch nicht so etwas Teures schenken lassen wollen… Ablehnen wollen wir es natürlich nicht. Aber spätestens zu Weihnachten können wir uns sicher revanchieren. Umsonst etwas annehmen – sich wirklich etwas schenken lassen, ohne es zurückzuzahlen, das fällt vielen schwer. Das ist menschlich. Wir wollen uns lieber etwas verdienen. Was wir bekommen, wollen wir selber erarbeitet haben. – Dagegen etwas geschenkt zu kriegen, das kostet Überwindung. Beschenkt werden ist schwer. Als ob Jesus das gewusst hätte. – Ja, es scheint so, dass er das wirklich gewusst hat. Deshalb gab er seinen Jüngern damals und uns heute das Beispiel: Dass ein großes, sogar ein unvorstellbar großes Geschenk angenommen werden darf.

Wir denken diese Woche an Jesu Weg nach Golgatha. Und es fällt uns manchmal nicht leicht, den Sinn seines Leidens und Sterbens zu verstehen. Jesus wusste das. Auch seine Jünger taten sich schwer, dies zu verstehen. Aber Jesu Weg ist ein Geschenk. Ein Geschenk für uns, dass wir in unserem Leben nicht im Leiden und Sterben stecken bleiben müssen.

Es ist das Geschenk Gottes an die Menschen. Gott selbst leidet und stirbt in Jesus. Und durch den Tod hindurch bringt er neues Leben hervor. Leiden und Sterben gehören zum menschlichen Leben. Und von Zeit zu Zeit erfahren wir, wie hilflos wir Leiden und Sterben ausgeliefert sind. Zur Zeit erleben wir, ja die ganze Welt, so eine unfassbare, schmerzliche Zeit, diese Zeit der Corona-Krise. Dann kann es so scheinen, als haben Leiden und Sterben das letzte Wort. Damit dies nicht so ist, Leiden und Sterben nicht am Ende stehen bleiben, dafür braucht es ein Geschenk. Neues Leben, das Gott in Jesus schenkt. Neues Leben, das das Leiden und Sterben zum vorletzten Wort macht. Neues Leben, das das letzte Wort haben wird.

Neues Leben als Geschenk. Als unvorstellbar großes Geschenk. Ohne, dass wir uns etwas davon verdienen oder erarbeiten könnten. Und ohne, dass wir etwas zurückgeben könnten.

Noch viel, viel mehr wert als 300 Silbergroschen. Was für ein Geschenk.

Amen.

 

Gebet:

Herr Jesus Christus,

wir danken dir für jede Gelegenheit, über deine Liebe nachzudenken. Und wir staunen: Unbegreiflich groß ist das Geschenk, das du uns machst. Unbegreiflich groß ist deine Liebe, in der wir geborgen sind.

Wir selbst würden uns nicht wertachten, so reich beschenkt zu werden. Wir selbst können uns selbst nicht so sehr lieben, wie du uns liebst.

Deine Liebe – sie soll uns durchdringen. Mach uns bereit, dein Geschenk anzunehmen. Mach uns bereit, uns wie ein Kind zu freuen über das, was du uns schenkst: Leiden und Sterben werden in unserem Leben nicht am Ende stehen bleiben. Sondern neues Leben, das du schaffst, hat das letzte Wort.

Wir bitten dich: Lass uns deine Liebe weitergeben. Mach uns bereit, anderen in Liebe zu begegnen. Zeig uns, wer auf unsere Liebe wartet.

Hilf uns in diesen Zeiten der Corona-Gefahr, kreativ zu sein. Mach uns bereit, die guten Möglichkeiten, die wir haben, zu nutzen. Wir können und sollen einander immer wieder anrufen, telefonisch oder per Email im Kontakt miteinander sein. Oder füreinander beten.

Sei du auch jenen nahe, die gerade schwere Wege zu gehen haben.

Sei nahe allen, die in diesen Tagen unter schweren Schmerzen leiden. Sei nahe allen, die in diesen Tagen sterben müssen.

Du schenkst uns Zuversicht: Leiden und Sterben haben nicht das letzte Wort. Dank deinem großen Geschenk, das du uns aus Liebe machst.

Gemeinsam beten wir: Vater unser… Amen.

 

Predigt für Sonntag Judika (29. März 2020) von Pfarrer Michael Güthle

Jesus – der gehorsame Hohepriester  

Hebräerbrief, Kapitel 5, Verse 7-9 (seitherige Reihe II)

Und er hat in den Tagen seines irdischen Lebens Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen vor den gebracht, der ihn aus dem Tod erretten konnte; und er ist erhört worden, weil er Gott in Ehren hielt. So hat er, obwohl er der Sohn war, doch an dem, was er litt, Gehorsam gelernt. Und da er vollendet war, ist er für alle, die ihm gehorsam sind, der Urheber der ewigen Seligkeit geworden,

 

Liebe Gemeinde,

„und er“ – so beginnt dieser Text und mit diesen beiden Worten werden unsere Augen auf Jesus Christus am Kreuz gelenkt. Es liegt eine sammelnde Kraft in diesen kleinen Worten: „und er“. Es ist als ob ein Vorhang weggezogen würde, so dass unser unruhiges Herz einen Punkt findet, an dem es zur Ruhe kommen kann.  Es ist ja viel, was jeden Tag über uns hereinbricht; es ist viel, was uns persönlich bewegt und beschäftigt und worüber wir uns in dieser Zeit der Kontaktsperre Sorgen machen: Wie geht es unseren Angehörigen? Wie geht es weiter in den nächsten Wochen und Monaten? Wie können wir untereinander verbunden bleiben und wie können wir auch den Menschen dieser Welt helfen? Da ist es gut, wenn wir einen Flucht- und Ruhepunkt haben, an dem wir neue Kraft schöpfen können.

Darum, so ruft uns der Hebräerbrief zu, wendet euch zum Kreuz. Doch was sehen wir da?

Wir sehen den einen, „der in den Tagen seines irdischen Lebens Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen vor den gebracht hat, der ihn vom Tod erretten konnte.“ Wir sehen Jesus Christus, der tut, was Gott will. Wir sehen den, der in seinem ganzen Leben dem Willen Gottes gehorsam war. Wir sehen den Einzigen, der nicht zwei Herren diente, sondern der allein Gott die Ehre gab. Wir sehen den, der in völliger Übereinstimmung mit Gott sein Leben gelebt hat. Wir sehen den, der auch unter Schmerzen und Schreien, unter Leiden und Tränen, der Liebe Gottes treu geblieben ist. Er gab sein Leben für uns. Er hat sich geopfert, er hat sich in die Tiefe der menschlichen Abgründe und des menschlichen Leids hineinbegeben.

Damit hat er sich ganz solidarisch gemacht mit allen Menschen, die leiden. Mit dem Geschrei der Gefolterten und Verstoßenen, mit den Tränen der Gefangenen und der Heimatlosen. Mit der Angst aller, die Schmerzen leiden und nicht wissen, wie es weitergehen soll. Wo auf der Erde geschrien, geweint und gelitten wird, da ist Jesus Christus dabei. Das ist sein Geheimnis. Er steht den Leidtragenden zur Seite. Er ist anwesend, wo es unmenschlich und gottlos zugeht.  Er selber hat am Kreuz geschrien: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Doch er hat diese Gottesferne ausgehalten. Er hat zuvor im Garten Gethsemane mit sich gerungen, soll er dem Leiden entfliehen oder standhalten?  Soll doch der Kelch an mir vorübergehen. Doch dann folgen seine Worte, mit denen er Gott treu bleibt und seinen Weg annimmt: „nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe.“

Somit kann keiner von uns mehr sagen: Jesus Christus geht an meinem Leiden und an meinen Sorgen vorbei. Nein, er war gehorsam bis zum Tod. Er hat in seinem Leiden, seine Klage an den gerichtet, der ihn vom Tod erretten konnte. Er hat nicht gekämpft nach dem Motto: wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Er hat sich auch nicht als ein Held im Leiden gezeigt, nach dem Motto: ein Indianer kennt keinen Schmerz. Er hat das Leiden, die Unsicherheit und Angst und Klage zugelassen. Dabei ist er zum Beter geworden. Er hat sich in seinem Ausgeliefert-Sein an Gott gewandt und sein Leben ganz in Gottes Hand gegeben. Und dann heißt es: „und er ist erhört worden“.  Stimmt das eigentlich? Müsste es nicht eher heißen: Er ist nicht erhört worden? Denn Gott mutete ihm Schmerzen und Todesangst und Verlassenheit zu. Und doch hat die Bibel recht, wenn sie sagt: „Er ist erhört worden.“

Im Garten Gethsemane und am Kreuz nahm Gott Jesus nicht das Leiden ab, aber etwas von der Todesangst. Im Leiden Christi steckt zugleich die Erfahrung von Trost und Getragen-Sein.

Viele Menschen haben das seither in Notlagen erlebt: Diesen Trost, der das Herz ruhiger macht; ein Trost, der von Geborgenheit mitten im Sturm weiß, so wie es einmal eine fromme Frau im Mittelalter ausgedrückt hat: „Ich bin so geborgen wie die Feder im Sturm. Wenn ich auf die Wellen geweht werde, ertrinke ich nicht. Wenn ich gegen Felsen geschleudert werde, zerbreche ich nicht. Ich bin so geborgen, wie die Feder im Sturm.“

„Und da er vollendet war, ist er für alle, die ihm gehorsam sind, der Urheber der ewigen Seligkeit geworden.“ –

So endet die Betrachtung des Mannes am Kreuz mit einer großen Glaubenshoffnung. Der Blick auf Ostern hin wird geöffnet. Jesus blieb ja nicht im Tod. Er wurde auferweckt. Sein Weg des Leidens führt zum Sieg des Lebens über den Tod. Er war Gott gehorsam und Gott hat dies bestätigt. Die Erlösung für uns, der Zugang zum ewigen Heil ist vollbracht. Wir brauchen, wir können und müssen nichts mehr dazutun. Wir brauchen nicht auf andere Erlöser zu warten, selbst wenn sie uns eine heile Welt versprechen würden. Ein Leben ohne Leid, ohne Störung, ohne Schmerzen wird es nicht geben. Doch wir sollen wissen, solch ein Leben spricht nicht gegen Gott. Gott ist und bleibt an unserer Seite. Denn wer sonst als er kann unsere Not wenden? Wir gehen nicht verloren. Wir sind gehalten und getragen. Denn auch Finsternis ist nicht finster bei Gott.

Liebe Gemeinde, der Wochenspruch fasst die Botschaft des Hebräerbriefes gut zusammen:

„Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele (Matthäus 20,28).“

Auch wenn erst durch Kreuz und Auferstehung deutlich wird, dass sich in Jesus Gott selber zeigt, so wird schon in seinem Leben sichtbar, wie sehr er für die Menschen da ist. Er sorgt dafür, dass die Würde eines jeden Menschen geachtet wird. Jesus hilft den Menschen, ohne Ansehen der Person. Die einen heilt er von einem körperlichen Gebrechen, die anderen befreit er von einer Seele voller Angst und Verzweiflung. Die einen, die verachtet wurden, holt er in die Gemeinschaft zurück und die anderen, die Unrecht getan haben, fordert er zur Umkehr auf und er vergibt ihnen. Jesus macht immer wieder deutlich: „Ich bin gekommen, um den Menschen zu helfen und um ihnen zu dienen.“ Wer auf Jesus sieht, der erkennt in seinem Verhalten, den Willen Gottes. Jeder Mensch soll erfahren, dass er von Gott nicht verlassen ist. In jedem Gottesdienst, den wir feiern, stärken wir dieses Vertrauen auf Gott. Wir sollen gewiss sein, dass wir in Gottes Hand geborgen sind, sowohl in den guten Zeiten als auch in diesen Tagen, an denen wir bedrückt sind und hoffen, dass wir und die Menschen dieser Welt die Hoffnung zum Leben nicht verlieren.

Nach durchgestandener Krankheit, nach durchlebter Trauer ist jeder Atemzug ein Geschenk. Jede Krisenerfahrung macht uns bewusst: Nicht wir haben das Leben in der Hand – sondern der Gott, der sich für uns am Kreuz hingegeben hat. Aus jeder Leiderfahrung kann auch etwas Neues wachsen, so wie das Weizenkorn, das in die Erde fällt und erstirbt, viel Frucht bringt. Oft sind es die schwierigen Wegabschnitte, die uns innerlich reifen und wachsen lassen und uns persönlich weiterbringen. „Gelobt sei der Herr täglich. Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch (Psalm 68,20).“ Lassen wir uns also in dem Vertrauen stärken, dass Jesus Christus bei allem Kummer an unserer Seite bleibt; an ihn können wir uns im Gebet wenden und wir können uns auf seinen Zuruf verlassen: „Ich lebe und ihr sollt auch leben. Fürchtet euch nicht. Denn siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“ Amen.

 

Gebet

Barmherziger Gott, wir kommen zu dir mit unserem Gebet, weil wir glauben, dass allein Du die Welt heilen und erlösen kannst. In diesen Tagen wird uns besonders bewusst, dass wir das Leben nicht in unserer Hand haben. Es ist ein kostbares Geschenk, von dir gegeben. Wir bitten dich, sei allen Menschen nahe und gib ihnen Trost und Zuversicht zum Durchhalten. Wir danken dir für alle, die etwas tun können und bitten dich für alle, denen es schwerfällt, dass sie nichts tun können. Befreie jeden dazu, nicht nur an sich, sondern auch an die anderen zu denken.

Lehre uns beten, miteinander und füreinander. Vater unser im Himmel …

 

Es segne und behüte dich, Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.